Wir haben uns dazu entschieden, den Fördertopf nach etwas mehr als zwei Jahren auslaufen zu lassen und nehmen keine neuen Anträge mehr an. Im Folgenden möchten wir den Fördertopf auswerten und unsere Entscheidung, die Förderungen zu beenden, begründen.
Was wurde gefördert?
Aus dem Fördertopf, der seit Dezember 2021 existiert, wurden insgesamt 12 Archive in Deutschland und Österreich mit insgesamt 31.583 Euro gefördert. Ziel war es, Archive sichtbarer und somit auch nutzbarer zu machen, insbesondere für Menschen, die selbst politisch aktiv sind. Wir haben Archive bei der Durchführung von Workshops, Veranstaltungen und Ausstellungen finanziell unterstützt. Zentrales Kriterium war die Übereinstimmung mit dem Ziel einer Verbesserung der Sicht- und Nutzbarkeit des Archivs. Über die Anträge hat ein Beirat entschieden, zu dem wir offen über die Vernetzung Archive von Unten eingeladen haben. Beteiligt haben sich zwei Menschen vom Fördertopf, die selbst Erfahrung im Bereich der Infoladen-Szene haben sowie zwei Archivare aus Archiven der Sozialen Bewegungen.
Hier eine Auswahl der unterstützten Projekte:
- Ausstellung zur Neuen Frauenbewegung
- Ausstellung und Herausgabe einer Monographie im Bereich des Anarchismus
- Katalogisierung von Material zur besseren Nutzbarkeit
- Diskussionveranstaltungen
- Digitalisierung und Aufbereitung für Webseiten
Was lief (nicht) gut?
Das Feedback zu den geförderten und schon abgeschlossenen Projekten war weitestgehend positiv, alle Veranstaltungen waren gut besucht und haben zu einem größeren Bekanntheitsgrad und somit einer verbesserten Sichtbarkeit beigetragen. Positiv wurde v.a. die unkomplizierte Beantragung und Abwicklung der Finanzierung angemerkt. Gerade für kleine und finanziell prekäre Archive stellte der Fördertopf eine Möglichkeit dar, die eigenen Geldreserven nicht aufzubrauchen. Somit verringerte sich das finanzielle Risiko, das die Organisation eines Projekts außerhalb des Regelbetriebs bedeutet. Auch ermöglichte die Finanzierung ein professionelleres Vorgehen bei den Projekten.
Insgesamt hatten wir mehr Anträge erwartet und waren überrascht über die Zurückhaltung. Das mag an der fehlenden Bewerbung des Fördertopfes liegen. Die lief über Rundmails, eine Internetpräsenz und vor allem über den Verteiler der Archive von Unten. Ein anderer Grund könnte in einer grundsätzlichen Skepsis bezüglich der Herkunft der Spenden liegen. Hauptgrund dürfte aber sein, dass die meisten Archive mit den Normalbetrieb schon genug gefordert sind und sich parallel nicht noch Veranstaltungen widmen können.
Ein Kritikpunkt betrifft das Ziel des Fördertopfes. Verschiedene Archive haben die Notwendigkeit einer Institutionalisierung und Verstetigung von Arbeitsstellen und Instandsetzung angesprochen, die mit dem Fördertopf nicht geleistet wurde. Eines der geförderten Projekte wurde noch nicht abgeschlossen und scheint sich zeitlich immer wieder nach hinten zu verschieben. Hier hat die finanzielle Förderung offensichtlich keine unmittelbare Verbesserung mit sich gebracht.
Warum gehts nicht weiter?
Da in den letzten Monaten nur noch sehr wenige Anträge bei uns eingegangen sind, haben wir uns gegen die Fortführung des Fördertopfes entschieden. Man müsste das Projekt noch einmal deutlich mehr bewerben und mindestens zu einem Infrastrukturfonds umbauen. Gleichzeitig müssten gemeinsame Probleme auch gemeinsam angegangen werden: Beispielsweise der Generationswechsel, praktische Notwendigkeit wie eine für alle handhabbare Plattform für Digitalisate oder die Tatsache, dass immer weniger Archive immer mehr Material bewältigen müssen. Deshalb beschränken wir uns darauf: Es laufen zwei Mietkostenzuschüsse über knapp 8.000 € jährlich zur Absicherung von Archiven in Berlin weiter.
Unser Fazit
Wir sind sicher, dass es keine soziale Bewegung geben kann, die ohne die Reflexion der eigenen Bewegungsgeschichte auskommt. Der Blick auf das eigene Tun und Unterlassen in der Vergangenheit, hilft bei der Bewältigung der Zukunft und stellt Verbindungen her, die motivieren und davor bewahren Fehler zu wiederholen. Deshalb halten wir die Arbeit der selbstorganisierten Bewegungsarchive, die diese Geschichte sichern, aufbereiten und zugänglich machen, für zentral.
Auch wenn es bestimmt einige bisher nicht abgerufene Ressourcen (Finanzierung, Organisierung) in der Bewegung gibt, ist eine langfristige Sicherung der Archive weiterhin eine Herausforderung.
Wir rufen einerseits dazu auf, die Verantwortung für die Bewegungsgeschichten nicht den Archiven allein zu überlassen, sondern sich an der Geschichtsschreibung, an der Interpretation der Gegenwart und Vergangenheit mit eigenen Beiträgen, Infrastruktur und Ressourcen zu beteiligen und darauf einen bewussten Fokus in der politischen Arbeit zu legen. Gleichzeitig rufen wir dazu auf die Archive als Bestandteil der Bewegungen zu begreifen und in die Kämpfe der Zukunft miteinzubeziehen. Das Netzwerk der Archiv von Unten erleichtert dafür den Einstieg ungemein.